141 römische Goldmünzen entdeckt – drei extrem seltene Eugenius-Solidi im Schatz

Symbolbild eines römischen Goldmünzschatzes mit spätantiken Solidi im Erdreich

Kurzfassung

Bei Holzthum und Dickt im Norden Luxemburgs wurde ein römischer Goldschatz mit 141 Münzen aus dem 4. und frühen 5. Jahrhundert entdeckt. Drei der Goldmünzen zeigen Kaiser Eugenius, der nur von 392 bis 394 n. Chr. regierte. Von seinen Münzen sind europaweit weniger als 50 Exemplare bekannt. Der Hort wurde vermutlich um 408 n. Chr. verborgen und enthält außerdem antike Fälschungen mit Goldüberzug auf Kupfer- oder Eisenkern. Der heutige Wert des Schatzes wird auf rund 300.000 Euro geschätzt.

141 römische Goldmünzen – drei extrem seltene Eugenius-Solidi entdeckt

Ein außergewöhnlicher römischer Goldschatz aus Luxemburg sorgt erneut für Aufsehen. Archäologen fanden bei Holzthum und Dickt in den luxemburgischen Ardennen insgesamt 141 Goldmünzen aus dem 4. und frühen 5. Jahrhundert nach Christus.

Schon die Menge macht den Hort bemerkenswert. Zur wissenschaftlichen Sensation wird der Fund jedoch durch drei besonders seltene Münzen mit dem Porträt des Kaisers Eugenius.

Von Münzen dieses Herrschers sind nach Angaben von Fachleuten europaweit weniger als 50 Exemplare bekannt. Gleich drei Stücke in einem einzigen Hort sind deshalb für die Forschung außergewöhnlich.

Nur zwei Jahre Kaiser

Eugenius gehört zu den weniger bekannten Herrschern des späten Römischen Reiches.

Er war ursprünglich Hofbeamter und Rhetoriklehrer und wurde nach dem Tod Kaiser Valentinians II. im Jahr 392 n. Chr. zum Kaiser des Weströmischen Reiches erhoben. Seine Herrschaft dauerte jedoch nur etwa zwei Jahre.

Der oströmische Kaiser Theodosius I. erkannte Eugenius nicht als legitimen Herrscher an. Es kam zum Bürgerkrieg, den Eugenius 394 n. Chr. verlor. Nach seiner Niederlage wurde er hingerichtet.

Gerade seine extrem kurze Regierungszeit erklärt, warum Münzen mit seinem Porträt heute so selten sind.

Weniger als 50 Münzen europaweit bekannt

Nach Angaben von Susanne Börner vom Heidelberger Zentrum für antike Numismatik sind europaweit weniger als 50 Eugenius-Münzen bekannt.

Dass nun gleich drei weitere Exemplare aus einem einzigen geschlossenen Fundkomplex vorliegen, bezeichnet sie als besonders spannend für die Forschung.

Solche Münzen können helfen, Prägeorte, Chronologie und Geldumlauf während einer politisch äußerst unruhigen Phase des Römischen Reiches besser zu verstehen.

Schatz wahrscheinlich um 408 n. Chr. versteckt

Die Archäologin Lynn Stoffel geht davon aus, dass der Schatz ungefähr um 408 n. Chr. vergraben wurde.

Zu dieser Zeit befand sich die Region in einer Phase erheblicher politischer und militärischer Unsicherheit. Germanische Gruppen drangen in das Römische Reich ein, Verkehrswege wurden unsicherer und die politische Ordnung im Westen begann zunehmend zu zerfallen.

Ein wohlhabender Besitzer könnte das Gold deshalb als Vermögensreserve versteckt haben.

Wieder ausgegraben wurde es offenbar nie.

Mehr als zwanzig Jahresgehälter

Der Hort stellte schon in der Antike ein enormes Vermögen dar.

Nach Einschätzung der Archäologen entsprach der Wert der 141 Goldmünzen damals mehr als dem Zwanzigfachen eines durchschnittlichen Jahresgehalts.

Damit gehörte der ursprüngliche Besitzer höchstwahrscheinlich zu einer wohlhabenden gesellschaftlichen Schicht.

Ein Drittel der Münzen stammt aus Trier

Für die Region besonders interessant: Gut ein Drittel der Goldmünzen wurde im römischen Augusta Treverorum, dem heutigen Trier, geprägt.

Die übrigen Münzen stammen aus verschiedenen Teilen des Römischen Reiches.

Das unterstreicht die enorme Bedeutung Triers in der Spätantike. Die Stadt war zeitweise Kaiserresidenz und eines der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentren nördlich der Alpen.

Nicht alles Gold, was glänzt

Eine weitere Überraschung verbarg sich im Münzschatz selbst.

Unter den vermeintlichen Goldmünzen befinden sich antike Fälschungen.

Bei einigen Exemplaren besteht der Kern offenbar aus Kupfer oder Eisen, der lediglich mit Gold überzogen wurde. An beschädigten Stellen scheint das unedlere Metall unter der Goldschicht hervor.

Falschgeld war also keineswegs eine moderne Erfindung.

Bereits in der Antike versuchten Menschen offenbar, hochwertige Goldmünzen zu imitieren. Ob solche Stücke von privaten Fälschern hergestellt oder möglicherweise sogar unter staatlicher Beteiligung produziert wurden, lässt sich nicht immer eindeutig bestimmen.

Münzen wurden schon damals auf Echtheit geprüft

Historiker kennen römische Goldmünzen mit tiefen Kerben oder Prüfspuren.

Händler konnten damit kontrollieren, ob sich unter der Oberfläche tatsächlich massives Gold befand oder lediglich eine Goldbeschichtung.

Der Luxemburger Hort liefert damit nicht nur Informationen über Herrscher und Geldumlauf, sondern auch über den Umgang mit Falschgeld vor rund 1.600 Jahren.

Schatz heute rund 300.000 Euro wert

Auch aus heutiger Sicht besitzt der Fund einen erheblichen materiellen Wert.

Ein Experte schätzt den gesamten Hort auf rund 300.000 Euro. Einzelne besonders seltene Goldmünzen können auf dem Sammlermarkt Preise von bis zu 25.000 Euro erreichen.

Die Münzen werden deshalb inzwischen an einem geheim gehaltenen Ort in einem Tresor aufbewahrt.

Entdeckt bei einem römischen Kontrollposten

Die Fundstelle liegt auf einem Acker zwischen Holzthum und Dickt im Norden Luxemburgs.

Die Gegend wird von Einheimischen als „Am Ring“ bezeichnet, weil bereits seit langer Zeit eine kreisförmige Struktur unter dem Feld bekannt war. Archäologische Untersuchungen zeigten schließlich, dass sich dort ein römischer Burgus, also ein befestigter Kontroll- oder Wachposten, befand.

Etwas außerhalb dieser Befestigung entdeckten die Forscher den Goldschatz.

Wissenschaftliche Untersuchung dauert noch Jahre

Trotz der bereits bekannten spektakulären Details ist die Erforschung des Schatzes längst nicht abgeschlossen.

Die Archäologen rechnen damit, dass die vollständige wissenschaftliche Untersuchung der Münzen noch mehrere Jahre dauern wird.

Besonders die drei Eugenius-Solidi, die Prägeorte und die antiken Fälschungen könnten dabei noch neue Erkenntnisse über Geldwirtschaft, politische Instabilität und Handel im ausgehenden Römischen Reich liefern.


Quelle: SWR Aktuell, Christian Altmayer: „Sensationsfund: Römischer Goldschatz wertvoller als gedacht“, Stand 15. Oktober 2026. Der Bericht nennt 141 römische Goldmünzen, drei Eugenius-Prägungen, weniger als 50 europaweit bekannte Münzen dieses Herrschers, antike Fälschungen, die vermutete Niederlegung um 408 n. Chr. sowie einen geschätzten Gesamtwert von rund 300.000 Euro. 

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