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XP Deus 1 & 2 XY-Erklärt

XP Deus I & II · Expertenwissen

Der XY-Bildschirm –
Ihr visuelles Zielsystem

Alles, was Sie über den XY-Anzeigemodus wissen müssen: Funktionsweise, Zielsignaturen, Zoom-Einstellungen und praktische Felderfahrung – von Sondengängern für Sondengänger.

XP Deus I XP Deus II XY-Bildschirm Zielidentifikation Zoom-Einstellung

Was ist der XY-Bildschirm?


Der XY-Bildschirm ist ein Oszilloskop-Anzeigemodus des XP Deus I und II. Anstatt nur eine Target-ID-Zahl anzuzeigen, zeichnet das Gerät die elektromagnetische Signatur des gefundenen Objekts als zweidimensionale Kurve auf. Diese Kurve verrät, ob ein Objekt Eisen enthält, wie homogen sein Material ist und wie stark das Signal ist.

Das Prinzip: Während Sie die Suchspule über ein Ziel schwenken, zeichnet der Deus auf der X-Achse die ferromagnetischen Eigenschaften und auf der Y-Achse die elektrische Leitfähigkeit auf. Aus dem Zusammenspiel beider Werte entsteht eine charakteristische Spur – das „Fingerabdruckmuster" des Objekts.

Merksatz Der XY-Bildschirm ersetzt keine Ohren – er ergänzt sie. Erfahrene Sondengänger nutzen ihn als zweites Urteil, wenn ein Signal akustisch mehrdeutig ist.

Schematische Darstellung des XY-Bildschirms – Zielsignaturen und Achsenbeschriftung

Aufbau und Bedienelemente


Der XY-Bildschirm ist in vier Quadranten aufgeteilt. Die Lage der Signaturkurve verrät auf einen Blick, ob ein Objekt aus Eisen besteht oder nicht.

Anzeigeelemente im Überblick

  • T.ID (Target ID): Numerischer Leitwert des erkannten Objekts (0–99)
  • G.ID (Ground ID): Aktuell gemessene Bodenphase als Referenzwert
  • F/NF-Indikator: Schnelle Eisenkennung – links = ferrous, rechts = non-ferrous
  • Signaturkurve: Die gezeichnete XY-Spur des Ziels – der eigentliche Mehrwert
  • Signalstärke: Die Ausdehnung der Kurve zeigt indirekt die Tiefe/Stärke des Signals
Profi-Tipp Je kompakter und gleichmäßiger die Signaturkurve, desto „sauberer" das Objekt. Sehr große, diffuse oder unsymmetrische Kurven deuten auf Eisen oder komplexe Objekte hin.

Aktivierung am Deus I und II


XP Deus I – Aktivierung
  1. Fernbedienung einschalten und Programm auswählen
  2. Im Hauptmenü: OPTION → SETTINGS
  3. PROFILE auswählen → XY-Screen aktivieren
  4. Zoom-Einstellung: Pinpoint-Taste 2 Sekunden gedrückt halten
  5. Mit + / – den gewünschten Zoom-Level (1–10) wählen
Wichtig Nicht verfügbar mit HF-Spulen (High Frequency). Bei HF-Spule bleibt der XY-Modus deaktiviert.
XP Deus II – Aktivierung
  1. Fernbedienung einschalten, Programm wählen
  2. Menüpfad: OPTION → SETTINGS → XY PROFILE
  3. XY-Screen als Standard-Profil festlegen
  4. Zoom direkt unter: OPTION → SETTINGS → XY PROFILE → ZOOM
  5. Schnellzugriff: Auf dem Standardbildschirm beide Tasten gleichzeitig drücken → Vollbild-Target-ID

Menüpfad Deus II – XY-Zoom

OPTION › SETTINGS › XY PROFILE › ZOOM

Anzeigeprofile im Vergleich

Der Deus II bietet drei Anzeige-Profile, zwischen denen Sie je nach Situation wechseln:

  • Standard-Screen: T.ID in groß + F/NF-Balkengraph mit Tiefenindikator – für schnelle Entscheidungen
  • XY-Screen: Oszilloskop-Darstellung der Signatur – für schwierige Böden und Zielidentifikation
  • Full Screen: Maximale T.ID-Anzeige in Großformat – für schlechte Lichtverhältnisse

Die Zielsignaturen verstehen


Jede Objektklasse hinterlässt eine charakteristische Spur auf dem XY-Bildschirm. Die folgenden Muster sind die wichtigsten, die Sie kennen sollten:

Münze / Ring
Kompakter Oval, oben rechts (NF)
Folie / Blei
Kurzer Strich, oben links (NF)
Eisen (klein)
Kleiner Punkt, unten (F)
Dose / gr. Eisen
Diffuse Ellipse, unten rechts
Bodenphase
Horizontale Mittellinie, Ferrit/Keramik
Tiefe und Signalstärke Die Größe der dargestellten Kurve gibt einen Hinweis auf die Signalstärke und indirekt auf die Tiefe: Eine große, deutliche Kurve bedeutet ein nahe liegendes oder großes Objekt. Eine kleine, zittrige Spur deutet auf größere Tiefe oder ein kleines Objekt hin.

Was bedeutet eine „stabile" Signatur?

Ein gutes Ziel – etwa eine Münze – erzeugt beim Spulenschwenk von verschiedenen Richtungen eine reproduzierbar ähnliche Kurve. Das Muster bleibt erkennbar. Eisenobjekte hingegen ändern ihre Signatur je nach Schwenkwinkel stark, was zu unruhigen, springenden Mustern führt.

Praxis-Tipp: Kreuzprobe Schwenken Sie die Spule über das Ziel in zwei senkrechten Richtungen (Kreuz). Bleibt die XY-Signatur bei beiden Schwenks ähnlich → gutes Zeichen für ein nicht-eisenhaltiges Objekt.

Die 5 Beispiele aus der XP-Originalanleitung


XP zeigt in der offiziellen Bedienungsanleitung genau diese fünf Signaturbilder – so sehen die Muster auf dem echten Display aus. Lernen Sie diese Muster, und Sie kennen die wichtigsten Situationen im Feld.

Nicht-Eisen · z.B. Münze
T.ID 85 FAST G.ID 90 F NF NF F
Breite, flache Linsenform in der oberen NF-Zone – schräg von links unten nach rechts oben. Typisch für Münzen und homogene Nicht-Eisen-Objekte.
Nicht-Eisen · z.B. Folie
T.ID 35 FAST G.ID 90 F NF NF F
Schmälere, schlankere Linse als die Münze – ebenfalls diagonal in der NF-Zone. Typisch für Alufolie, flaches Blei und ähnliche dünne Nicht-Eisen-Objekte.
Eisen · abgelehnt
T.ID 06 FAST G.ID 90 F NF NF F
S-förmiger Kringel in der unteren F-Zone links. Klassisches Eisensignal – Nägel, Draht, kleine Eisenstücke. Tritt ausschließlich in der Ferrous-Zone auf.
Eisen · Dosen / große Objekte
T.ID 62 FAST G.ID 90 F NF NF F
Großer, offener Haken der die Mittellinie kreuzt. Hohes T.ID trotz Eisen – Falle! Typisch für Blechdosen und große Eisenteile. Signatur springt beim Kreuzcheck.
Bodenphase · Ferrit / Keramik
T.ID — FAST G.ID 90 F NF NF F
Lange gepunktete Horizontallinie exakt auf der Mittellinie, volle Bildschirmbreite. Bodenphase, Ferrit und Keramikscherben – kein Ausgraben nötig.
Achtung: Beispiel 4 (Eisendose) ist eine Falle Große Eisenobjekte wie Dosen können eine T.ID von 60+ erzeugen und damit auf den ersten Blick wie eine Münze aussehen. Der Unterschied: Die XY-Signatur ist groß, diffus und kreuzt die Mittellinie. Ein Kreuzcheck mit der Spule enttarnt das Eisen sofort – die Signatur springt dann stark.

Alle 5 Signaturen im direkten Vergleich

So sehen die Muster relativ zueinander aus – die Position auf dem XY-Bildschirm ist entscheidend:

Nachbau der 5 Original-Beispiele aus der XP Deus II Bedienungsanleitung (Seite 29)

XY-Zoom: 10 Stufen erklärt


Der Zoom-Level bestimmt die Empfindlichkeit der XY-Darstellung. Ein niedriger Zoom zeigt nur starke, nahe Signale – die Kurve bleibt ruhig und klar. Ein hoher Zoom macht auch schwache, tiefe Signale sichtbar, erhöht aber auch das Hintergrundrauschen.

Zoom-LevelEmpfindlichkeitGeeignet fürHinweis
1–2Sehr niedrigTest, GrobsortierungNur sehr nahe / starke Ziele sichtbar
3NiedrigTrashy GeländeGute Eisentrennung, wenig Rauschen. Zeigt Münzverhalten ähnlich Deus I
4–5Mittel ★Münzsuche, AllgemeinAusgewogenes Verhältnis – empfohlen als Startpunkt
6Mittel-hoch ★Reliktsuche, AckerZeigt auch mitteltieffe Ziele gut – Deus-II-Standardeinstellung vieler Nutzer
7–8HochTiefensucheMehr Hintergrundrauschen, erfordert Erfahrung
9–10MaximalSpezialanwendungenSehr empfindlich, auch schwache tiefe Ziele sichtbar – Geduld nötig
Deus I: Zoom 3 für Münzverhalten Beim Deus II zeigt Zoom-Stufe 3 ein Signaturverhalten, das dem des originalen Deus I sehr ähnelt. Wer vom Deus I umsteigt, beginnt am besten mit Zoom 3 und arbeitet sich hoch.

Deus I vs. Deus II – XY-Unterschiede


XP Deus I
  • XY-Bildschirm seit Firmware V3 verfügbar
  • Zoom nur über Pinpoint-Taste (2 Sek.) einstellbar
  • Kein separater Profilwechsel – Standard oder XY
  • Nicht mit HF-Spulen verfügbar
  • Signaturdarstellung einfacher, aber gut lesbar
  • Nur Monofrequenz → Signatur manchmal weniger stabil
XP Deus II
  • XY-Bildschirm als vollwertiges Profil wählbar
  • Zoom direkt im Menü einstellbar (OPTION → SETTINGS)
  • Drei Profile: Standard / XY / Full Screen
  • Funktioniert mit allen kompatiblen Spulen
  • Stabilere Signatur durch Mehrfrequenz (FMF)
  • Mit V4.x: Doppelkanal-Verarbeitung verbessert XY-Darstellung zusätzlich
  • Schnellzugriff: beide Tasten gleichzeitig → Vollbild-T.ID
Deus II V4.x und XY-Bildschirm Seit Firmware V4.0 verarbeitet der Deus II zwei unabhängige Detektionskanäle gleichzeitig. Dies verbessert die Stabilität der XY-Signatur in mineralisierten Böden erheblich – besonders bei eisenhaltigen Störobjekten.

Praktische Tipps aus dem Feld


Wann ist der XY-Bildschirm besonders wertvoll?

  • Zweifelhaften Signale: Wenn das Gehör allein keine klare Entscheidung liefert, gibt die XY-Kurve ein zweites Urteil
  • Eisenreiche Böden: Große, diffuse Kurven tief in der unteren Hälfte = Eisen – sicher überspringen
  • Aluminium vs. Gold: Reines Aluminium erzeugt eine kompaktere, symmetrischere Signatur als ein Goldring mit ähnlichem Leitwert
  • Tiefliegende Ziele: Bei hohem Zoom sichtbar – die zittrige, kleine Kurve zeigt, dass noch etwas da ist
  • Lernphase: Testgarten anlegen – bekannte Objekte einbuddeln und deren Signaturen studieren

Grenzen des XY-Bildschirms

  • Ab ca. 15 cm Tiefe werden Signaturen kleiner und unruhiger – Interpretation schwieriger
  • In sehr stark verseuchten Böden überlagern sich Signaturen mehrerer Objekte
  • Der XY-Bildschirm ist kein Wundermittel – das Gehör bleibt das primäre Werkzeug
  • Übung nötig: Mindestens 20–30 Stunden Feldpraxis, bevor die Signaturen intuitiv erkannt werden
Nicht blindlings vertrauen Selbst erfahrene Sondengänger berichten von Überraschungen: Ein schwaches, unklares Signal mit kleiner XY-Kurve entpuppte sich als seltener Silberpfennig. Graben Sie im Zweifel – eine schlechte Signatur schließt ein gutes Ziel nicht aus.

Empfohlene Einstellungen für den Einstieg

  1. Starten Sie mit XY-Zoom 4 oder 5 – das ist der ausgewogenste Startpunkt für die meisten Gelände
  2. Kombinieren Sie den XY-Screen mit dem Programm „Park" (Prg. 5) oder „General" (Prg. 1) des Deus II
  3. Legen Sie einen Testgarten an: Münzen, Nägel, Alufolie, Ringpull in 5, 10 und 20 cm Tiefe – und lernen Sie die Signaturen kennen
  4. Schwenken Sie jedes Signal kreuzweise (0° und 90°) – stabile Muster in beiden Richtungen = gutes Zeichen
  5. Notieren Sie Ihre Beobachtungen in einem Feldbuch – nach 50 Ausgrabungen kennen Sie Ihre Maschine

Häufige Fragen (FAQ)


Nein. Viele erfahrene Sondengänger suchen primär nach Gehör und schalten den XY-Bildschirm nur bei zweifelhaften Signalen hinzu. Der Standard-Screen mit der großen Leitwertanzeige ist für schnelles Vorwärtskommen oft praktikabler. Nutzen Sie den XY-Bildschirm als Werkzeug, nicht als Pflicht.
Mögliche Ursachen: Zoom-Level zu hoch (reduzieren Sie auf 3–5), Boden zu stark mineralisiert (Bodenabgleich prüfen), Eisen- oder Aluminiumobjekte in der Nähe, oder das Ziel liegt sehr tief. Bei starken Bodenmineralen hilft es, die Reaktivität leicht zu erhöhen.
Nein – und das ist ein wichtiger Punkt: Der XY-Bildschirm steht ausschließlich auf der Fernbedienung (RC) zur Verfügung. Weder der WS6 noch die WSA-ST-Kopfhörer zeigen den XY-Screen. Das ist einer der wenigen Funktionsunterschiede, der die RC beim Deus II unverzichtbar macht – wer den XY-Modus nutzen möchte, kommt an der Fernbedienung nicht vorbei.
Ein Signal, das die Mittellinie kreuzt, zeigt an, dass das Objekt sowohl ferromagnetische als auch leitfähige Eigenschaften hat – typisch für gemischte Legierungen, stark korrodierte Münzen oder Eisenobjekte mit anhaftenden Nicht-Eisenteilen. Diese Ziele sollten in der Regel ausgegraben werden, da sie interessant sein können.
Für die Goldsuche – besonders bei kleinen Goldringen oder Schmuck – empfiehlt sich Zoom 5–7. In Verbindung mit Full Tones können Sie die XY-Kurve beobachten und leichte Abweichungen von einer reinen Aluminium-Signatur erkennen, die auf Gold hindeuten könnten. Vergessen Sie dabei nie: Gehör und XY-Bild gemeinsam auswerten.

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