Keltische Lanze und kompletter Schildfund in Ungarn entdeckt
Keltische Lanze und kompletter Schildfund in Ungarn entdeckt
Nahe dem Ort Erdőbénye im Nordosten Ungarns ist ein außergewöhnlicher eisenzeitlicher Waffenfund entdeckt worden. Archäologen und freiwillige Helfer fanden dort eine keltische Lanzenspitze sowie einen vollständigen Satz von Schildbeschlägen, die unmittelbar nebeneinander im Boden lagen.
Nach Angaben des Ungarischen Nationalmuseums ist ein vergleichbares Ensemble aus der unmittelbaren Region bislang nicht bekannt. Der Fund liefert damit neue Hinweise auf die keltische Besiedlung und Nutzung dieser Landschaft während der Eisenzeit.
Metalldetektoren halfen bei der Entdeckung
Der Fund wurde nicht zufällig bei Bauarbeiten entdeckt, sondern im Rahmen eines langfristigen archäologischen Forschungsprojekts.
Seit 2024 wird die Umgebung von Erdőbénye systematisch untersucht. Dabei arbeiten professionelle Archäologen mit freiwilligen Helfern zusammen. Neben klassischen Geländebegehungen kommen gezielt Metalldetektoren zum Einsatz, um bekannte Fundstellen genauer zu erfassen und bislang unbekannte Plätze aufzuspüren.
Während der Untersuchungen im September 2026 wurden zahlreiche Metallobjekte und Keramikfragmente geborgen. Der außergewöhnlichste Fund war jedoch die Kombination aus Lanze und Schildteilen.
Was wurde genau gefunden?
Zum Fundkomplex gehört eine eiserne Lanzenspitze sowie ein nahezu vollständiger Satz metallischer Schildbestandteile.
Nach den bisherigen Beschreibungen gehören dazu:
- ein Schildgriff beziehungsweise die metallische Handhabe auf der Rückseite,
- zwei zusammengehörige dekorative Metallteile von der Vorderseite des Schildes,
- weitere Befestigungselemente,
- sowie die unmittelbar daneben gefundene Lanzenspitze.
Der hölzerne Schild selbst ist vergangen. Erhalten blieben nur die Metallteile, die ursprünglich an ihm befestigt waren.
Wahrscheinlich bewusst gemeinsam niedergelegt
Besonders spannend ist die Lage der Objekte.
Lanze und Schildbeschläge lagen dicht beieinander und scheinen nach bisheriger Einschätzung bewusst gemeinsam niedergelegt worden zu sein. Ob es sich um eine Opfergabe, eine rituelle Deponierung, eine Grabbeigabe oder eine andere Form der Niederlegung handelte, ist bislang nicht geklärt.
Gerade dieser Fundzusammenhang ist wissenschaftlich wichtig. Einzelne Waffenfunde sind deutlich schwieriger zu interpretieren als ein geschlossenes Ensemble, bei dem mehrere zusammengehörige Bestandteile gemeinsam geborgen werden.
Fund stammt aus der Latènezeit
Der Waffenfund wird der keltischen Latènekultur zugerechnet und dürfte ungefähr aus dem 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. stammen.
In dieser Zeit breiteten sich keltische Gruppen über große Teile Mittel- und Südosteuropas aus. Auch das Karpatenbecken spielte dabei eine wichtige Rolle.
Ungarn lag geografisch an einer bedeutenden Verbindung zwischen Mitteleuropa und dem Balkan. Archäologische Funde zeigen, dass dort intensive Kontakte, Handelsverbindungen und kultureller Austausch bestanden.
Erster Fund dieser Art in der Region
Nach Angaben der beteiligten Forscher ist dies der erste bekannte Fund eines solchen Waffenensembles aus der Umgebung von Erdőbénye.
Das macht den Fund besonders wertvoll, weil die archäologischen Spuren eisenzeitlicher Gemeinschaften in dieser Region bislang vergleichsweise dünn sind.
Die Kombination aus Schild und Lanze könnte helfen, die militärische Ausstattung, soziale Strukturen und möglicherweise auch kultische Praktiken der dort lebenden keltischen Gruppen besser zu verstehen.
Community Archaeology als Erfolgsmodell
Der Fund zeigt außerdem, welchen Wert organisierte Community Archaeology haben kann.
Statt unkontrollierter Schatzsuche arbeiten freiwillige Helfer direkt mit Archäologen zusammen. Fundstellen, Fundlage und Begleitfunde werden dabei dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet.
Gerade beim Einsatz von Metalldetektoren kann dieses Vorgehen besonders effektiv sein: Große Flächen lassen sich systematisch absuchen, ohne dass wichtige Fundzusammenhänge verloren gehen.
Die Untersuchungen rund um Erdőbénye sollen im Herbst fortgesetzt werden. Es ist daher gut möglich, dass weitere Funde hinzukommen und der keltische Waffenfund noch besser eingeordnet werden kann.
Quellen: Ungarisches Nationalmuseum / Magyar Nemzeti Múzeum, zusammengefasst in mehreren aktuellen Berichten zur Entdeckung bei Erdőbénye. Die Veröffentlichung bestätigt den Fund einer keltischen Lanze und eines vollständigen Schildensembles im Rahmen der archäologischen Geländeforschung.