Sondengänger entdeckt zweiten Bronzezeit-Hort – einzigartiger Kupferbarren gefunden
Kurzfassung
Ein außergewöhnlicher Fund aus den Scottish Borders sorgt für Aufsehen: Der Sondengänger Mariusz Stępień entdeckte mit dem sogenannten Blyth Hoard bereits seinen zweiten bedeutenden bronzezeitlichen Hort innerhalb weniger Jahre. Neben zwei Bronzeäxten kamen selten erhaltene Gussformen und ein für Schottland außergewöhnlicher vollständiger Kupferbarren zum Vorschein. Besonders spannend: Der Fund könnte mit einem nur rund elf Kilometer entfernten Bronzezeit-Hort zusammenhängen.
Zweiter bedeutender Hortfund desselben Sondengängers
Eine außergewöhnliche Entdeckung aus Schottland rückt aktuell in den Fokus der Archäologie. Der Metalldetektor-Sucher Mariusz Stępień hatte bereits 2022 nahe Blyth Bridge in den Scottish Borders einen rund 3.000 Jahre alten Hort entdeckt. Im Oktober 2026 wurden nun weitere Einzelheiten zu dem Fund öffentlich vorgestellt.
Die Entdeckung begann mit dem Signal eines bronzezeitlichen Tüllenbeils. Als Stępień bemerkte, dass sich weitere Objekte im Boden befanden, informierte er die zuständige Treasure Trove Unit.
Anstatt den Fundkomplex vollständig selbst auszugraben, überließ er die weitere Untersuchung den Archäologen. Dadurch blieb der archäologische Zusammenhang erhalten – ein entscheidender Punkt für die spätere wissenschaftliche Auswertung.
Zwei Tüllenbeile und ein außergewöhnlicher Kupferbarren
Der inzwischen als Blyth Hoard bezeichnete Fund wird in die späte Bronzezeit, ungefähr 1150 bis 800 v. Chr., datiert.
Zum Fundkomplex gehören unter anderem zwei bronzene Tüllenbeile, ein vollständiger Kupferbarren sowie selten erhaltene Bestandteile von Gussformen.
Besonders der Kupferbarren macht den Fund außergewöhnlich.
Nach Angaben von National Museums Scotland handelt es sich um den ersten vollständig erhaltenen Kupferbarren dieser Art, der bislang in Schottland gefunden wurde.
Damit bietet der Fund Forschern eine seltene Möglichkeit, nicht nur fertige Bronzegegenstände, sondern auch das zur Metallverarbeitung bestimmte Rohmaterial zu untersuchen.
Analysen könnten künftig Hinweise darauf liefern, woher das Kupfer stammte und über welche Handelswege es vor rund 3.000 Jahren nach Schottland gelangte.
Seltene Gussformen geben Forschern Rätsel auf
Archäologisch besonders interessant sind außerdem die Überreste der Gussformen.
Solches Material ist wesentlich empfindlicher als Metall und übersteht Jahrtausende im Boden nur unter günstigen Bedingungen. Entsprechend selten können Archäologen heute noch unmittelbar nachvollziehen, wie bestimmte Bronzegegenstände hergestellt wurden.
Die Formen des Blyth-Hortes könnten zur Herstellung spezieller Bronzebeschläge gedient haben.
Und genau hier ergibt sich eine bemerkenswerte Verbindung zu einem anderen Fund.
Nur rund elf Kilometer vom Peebles-Hort entfernt
Bereits 2020 hatte Mariusz Stępień einen spektakulären bronzezeitlichen Fund gemacht: den sogenannten Peebles Hoard.
Die beiden Fundstellen liegen lediglich ungefähr sieben Meilen – rund elf Kilometer – voneinander entfernt.
Forscher halten deshalb einen Zusammenhang zwischen beiden Hortfunden für möglich.
Besonders interessant ist die Vermutung, dass die im Blyth-Hort gefundenen Gussformen zur Herstellung von Gegenständen verwendet worden sein könnten, die Ähnlichkeiten mit Objekten des Peebles-Hortes besitzen.
Sollte sich diese Verbindung bestätigen, könnten beide Fundplätze Teil desselben bronzezeitlichen Handwerks- oder Austauschnetzwerkes gewesen sein.
Möglicherweise waren sogar dieselben Metallhandwerker oder dieselbe lokale Gemeinschaft an der Herstellung und Niederlegung der Gegenstände beteiligt.
Fund lag in einem alten Steinhügel
Auch die Fundsituation selbst liefert wichtige Informationen.
Bei der archäologischen Untersuchung zeigte sich, dass die Gegenstände innerhalb eines bereits bestehenden Steinhügels beziehungsweise Cairns niedergelegt worden waren.
Offenbar wurden Steine entfernt, die Gegenstände in dem entstandenen Bereich deponiert und die Stelle anschließend wieder verschlossen.
Warum Menschen der Bronzezeit solche wertvollen Gegenstände absichtlich niederlegten, ist bis heute nicht abschließend geklärt.
In Betracht kommen beispielsweise rituelle Niederlegungen, Opfergaben, versteckte Materialdepots oder Vorräte eines Metallhandwerkers.
Gerade die Kombination aus fertigen Bronzeobjekten, Kupfer als Rohmaterial und Bestandteilen von Gussformen macht den Blyth-Hort besonders interessant.
Ein Fund zeigt, wie wichtig der Fundzusammenhang ist
Der Blyth-Hort ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig das richtige Verhalten nach einem außergewöhnlichen Metalldetektor-Fund sein kann.
Stępień erkannte offenbar frühzeitig, dass sich weitere Gegenstände im Boden befanden, und informierte die zuständigen Stellen.
Dadurch konnten Archäologen nicht nur einzelne Fundstücke bergen, sondern auch deren genaue Lage und den umgebenden Befund dokumentieren.
Gerade bei Hortfunden können solche Informationen wissenschaftlich teilweise wichtiger sein als das einzelne Objekt selbst.
Wären sämtliche Gegenstände unmittelbar ausgegraben und aus ihrem Zusammenhang entfernt worden, wären wichtige Hinweise auf die ursprüngliche Niederlegung vermutlich für immer verloren gegangen.
Untersuchungen gehen weiter
Die Funde werden von National Museums Scotland konserviert und wissenschaftlich untersucht.
Besonders spannend dürfte die weitere Analyse des Kupferbarrens werden. Seine Zusammensetzung könnte Hinweise auf die Herkunft des verwendeten Kupfers liefern.
Damit könnte der Blyth-Hort künftig nicht nur mehr über die Metallverarbeitung in der schottischen Bronzezeit verraten, sondern auch über Handel, Rohstoffversorgung und überregionale Kontakte vor rund 3.000 Jahren.
Dass derselbe Sondengänger innerhalb weniger Jahre zwei bedeutende bronzezeitliche Fundkomplexe in derselben Region entdeckt hat, macht die Geschichte zusätzlich außergewöhnlich.
Quellen
National Museums Scotland – Informationen und wissenschaftliche Einordnung des Blyth Hoard
ITV News – Berichterstattung über den zweiten bronzezeitlichen Hortfund von Mariusz Stępień, Oktober 2026
The Independent – Berichterstattung zum Blyth Hoard und seiner archäologischen Bedeutung, Oktober 2026