Sondengänger entdeckt 934 römische Silberdenare bei Wesseling
Kurzfassung
Bei Wesseling südlich von Köln hat ein genehmigt suchender Sondengänger einen römischen Münzschatz mit insgesamt 934 Silberdenaren entdeckt. Nach Angaben des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland handelt es sich um den größten bislang bekannten Hortfund aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians im heutigen Deutschland. Der Finder meldete die Entdeckung und ermöglichte dadurch die vollständige fachgerechte Bergung durch Archäologen.
Ein außergewöhnlicher Fund sorgt im Rheinland für Aufsehen: Bei Wesseling, südlich von Köln, hat ein Sondengänger einen umfangreichen römischen Münzschatz entdeckt. Insgesamt umfasst der Hort 934 römische Denare aus Silber.
Nach Angaben des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland handelt es sich um den größten bislang bekannten Hortfund aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians im heutigen Deutschland. Die Entdeckung wurde bei einer genehmigten Suche mit einem Metalldetektor gemacht.
Ein außergewöhnlich großer Münzschatz
Denare waren eine der wichtigsten Silbermünzen des Römischen Reiches. Ein geschlossener Fund mit mehreren hundert Exemplaren ist deshalb nicht nur wegen seines materiellen Umfangs bemerkenswert. Mit 934 Silberdenaren bietet der Wesselinger Hort Archäologen und Numismatikern eine umfangreiche Grundlage, um unter anderem die Zusammensetzung des damaligen Geldumlaufs und die zeitliche Einordnung der Niederlegung zu untersuchen. Der Fund endet in der Regierungszeit Kaiser Hadrians, der von 117 bis 138 n. Chr. herrschte. Auch die internationale Forschungsdatenbank Coin Hoards of the Roman Empire führt Wesseling inzwischen als neu entdeckten Hortfund mit Hadrian als spätestem Herrscher und nennt den Metalldetektor als Entdeckungsmethode.
Sondengänger suchte mit Genehmigung
Besonders positiv ist der Umgang des Finders mit seiner Entdeckung.
Der Sondengänger war nicht unerlaubt unterwegs, sondern führte eine genehmigte Suche mit dem Metalldetektor durch. Nach der Entdeckung informierte er die zuständigen Stellen und ermöglichte damit eine fachgerechte archäologische Untersuchung. Der LVR hebt ausdrücklich das vorbildliche Verhalten des Finders hervor. Dadurch konnten die Fachleute den Münzbestand vollständig bergen.
Gerade bei einem Münzhort ist dieses Vorgehen entscheidend. Für die Wissenschaft zählt nicht nur die einzelne Münze. Ebenso wichtig sind Lage, Fundtiefe, Verteilung der Stücke und der Zusammenhang mit dem umgebenden Boden. Wer einen solchen Fund einfach Stück für Stück herausnimmt, kann diese Informationen unwiederbringlich zerstören.
Warum wurden 934 Silbermünzen vergraben?
Archäologen bezeichnen gemeinsam niedergelegte Gegenstände wie diesen Münzschatz als Hortfund. Warum jemand eine derart große Menge Silber versteckte, lässt sich nicht automatisch beantworten. Geld konnte beispielsweise zur sicheren Aufbewahrung im Boden deponiert werden. Auch Krisen, persönliche Gefahren oder andere außergewöhnliche Situationen kommen grundsätzlich als Ursache infrage.
Dass der Besitzer den Schatz anschließend nicht wieder bergen konnte oder wollte, macht solche Funde heute überhaupt erst möglich. Für den konkreten Wesselinger Münzschatz sollte der Grund der Niederlegung allerdings nicht voreilig festgelegt werden. Die wissenschaftliche Untersuchung muss zeigen, welche Aussagen sich tatsächlich aus Zusammensetzung und Fundzusammenhang ableiten lassen.
Wesseling war bereits in römischer Zeit bedeutend
Der Fundort liegt keineswegs in einem archäologisch unbedeutenden Gebiet.
Wesseling befand sich während der Römerzeit im Einflussbereich von Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln. Die römische Stadt Köln zählte zu den bedeutendsten Zentren nördlich der Alpen und hatte damals vermutlich rund 20.000 Einwohner. Auch Wesseling selbst weist zahlreiche Spuren römischer Besiedlung auf. Der LVR beschreibt für das heutige Stadtgebiet unter anderem eine römische Siedlung, Straßenverbindungen, Gräberfelder und mehrere Gutshöfe. Wesseling dürfte zudem an wichtigen Verkehrswegen Richtung Köln und Bonn gelegen haben.
Der Münzschatz fügt der bekannten römischen Geschichte der Region damit einen außergewöhnlichen neuen Fund hinzu.
Kaiser Hadrian – eine vergleichsweise friedliche Epoche
Hadrian regierte das Römische Reich von 117 bis 138 n. Chr.
Seine Herrschaft war weniger von großen Eroberungsfeldzügen geprägt als die seines Vorgängers Trajan. Hadrian konzentrierte sich stärker auf die Sicherung und Verwaltung des riesigen Reiches und bereiste zahlreiche Provinzen persönlich.
Die nach ihm benannte Hadriansmauer in Großbritannien gehört bis heute zu den bekanntesten Bauwerken seiner Regierungszeit.
Ein Denar aus der Regierungszeit Hadrians war eine hochwertige Silbermünze und stellte für den damaligen Besitzer einen erheblichen Wert dar. Die 934 Denare stammen aus einem außergewöhnlich langen Zeitraum. Die älteste Münze wurde bereits 148 v. Chr. geprägt, die jüngste 124/125 n. Chr. Damit umfasst der Schatz nahezu 300 Jahre römischer Münzgeschichte. Bei der Bergung fanden die Archäologen zudem Reste eines Keramikgefäßes und Stroh. Vermutlich waren die Münzen ursprünglich in einem mit Stroh ausgekleideten Gefäß vergraben worden.
Ein starkes Beispiel für die Zusammenarbeit von Sondengängern und Archäologie
Der Fund von Wesseling zeigt eindrucksvoll, welchen Beitrag verantwortungsvoll arbeitende Sondengänger zur archäologischen Forschung leisten können.
Die eigentliche Entdeckung ist dabei nur der erste Schritt. Entscheidend war in diesem Fall, dass der Finder:
- mit Genehmigung suchte,
- den Fund meldete,
- den Fundzusammenhang nicht zerstörte und
- den Fachleuten die vollständige Bergung ermöglichte.
Gerade für die Sondengänger-Szene ist das ein positives Beispiel dafür, wie Hobby und wissenschaftliche Bodendenkmalpflege zusammenarbeiten können
Quelle: Landschaftsverband Rheinland – LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, „Sensationeller römischer Münzschatz“, veröffentlicht September 2026.